Der Weg zum Papierschnitt - Weber schneidet seine Arbeiten mit einem feinen Messer in schwarzes, reissfestes Papier - führt bei ihm über die Zeichnung und das Aquarell. Sie sind seine schon in jungen Jahren erworbene und seither perfektionierte Bildsprache, die er im Papierschnitt sehr eigenständig umsetzt.
Die zeichnerische Vorarbeit in Form von Skizzen ist unentbehrlich. Dann versucht er seine Bildvorstellung beim Schneiden diszipliniert und auf das Wesentliche zielend auszudrücken. Er abstrahiert, setzt die strengen flächigen Strukturen mit sicherer Hand, kommt dabei in die Nähe der besten Holzschneider.
Bruno Weber ist einer der wenigen Papierschnitt-künstler, die nicht von der Tradition im Scherenschnitt herkommen.
Er stellt Erlebnisse dar, in denen der Mensch, sichtbar oder unsichtbar, miteinbezogen ist. Seine Papierschnitte sind mit wenigen Ausnahmen sinnbildliche Umsetzungen, die mit dem geistigen Weg Webers einhergehen.
Die «Bildsprache», die symbolische Aussage hinter dem Augenfälligen, ist ihm ein wichtiges Anliegen. Was ihm im Licht - Schatten - Spiel gelingt ist aussergewöhnlich. Die Raumwirkung und die Lichtführung verblüffen den Betrachter.
Bruno Weber ist der Maler unter den Papierschneidern, der neben hohem technischen Können und Vorstellungsvermögen die Poesie nie zu kurz kommen lässt.
(Nach einem Text von Alfred Schneider im Ausstellungskatalog Ballenberg 1988)
dient ihm das gestaltete Motiv oft nur als Gerüst für eine tiefere Aussage, die nicht immer sofort lesbar ist. Mit den Mitteln des Papierschnitts sucht er eine mehrschichtige, symbolische Bildsprache, welche versucht auch Unsagbares mitzuteilen. Mit seinen Schnitten will er Geschichten erzählen, deren Tiefe er nur mit den Mitteln der gestalterischen Sprache erreichen kann.
Wichtig für den Betrachter, die Betrachterin ist das genaue Hinschauen um sich von den Details im Hintergrund überraschen zu lassen. In seinen Kompositionen wird der Zwischenraum zum Gegenstand, die Struktur zum Text usw.
Immer spielt die symbolische Bedeutung eine wichtige Rolle.
Dieses Bild möchte einen Kreislauf des Lebens auf dem Weg zur Vollkommenheit aufzeigen.
Die erlöste Weltseele als Archetypus der mystischen Hochzeit.
In der alchemistischen Denkweise wird der weibliche Teil, welcher in den meisten Religionen vernachlässigt wird gestärkt. So stellt die Weltseele dem christlich-männlichen Prinzip ein weiblich-göttliches Prinzip ebenbürtig zur Seite.
Mit dem Widerspruch in der Gleichwertigkeit des Männlichen und des Weiblichen wird eine Rotation in Gang gesetzt, aus der das so genannte ?Dritte? entspringen kann. Es ist dieses
Unfassbare, Unbeschreibliche, welches die Welt erlösen könnte.
So finden wir in diesem Schnitt viele Gegensätze, die sich zusammen wieder ergänzen:
Senkrecht und waagrecht, männlich und weiblich, miteinander und allein, werden und
vergehen, oben und unten, Licht und Schatten, stehen bleiben und vorwärts gehen,
usw.
Das himmlische Wasser wird vom Geist belebt.
Die senkrechten Linien werden in der Waagrechte durch das Licht des Kreises im Wasser aufgelöst und spiegeln das ganze Universum zurück.