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Neue Mittelland Zeitung, 27.September 1999
Vorder- und Hintergründiges in Vordemwald
Bruno Weber stellt Papierschnitte, Metallschnitte und Aquarelle aus
Einmal mehr durfte Bruno Weber die Wertschätzung seines Schaffens erfahren. Die Vernissage am letzten Samstagnachmittag in den neuen, eingenen Ausstellungsräumen an der Zofingerstrasse 10 in Vordemwald war ausser-ordentlich gut besucht. Einmal mehr bestätigte sich auch der Symbolgehalt seiner Werke; diesmal entfaltete er sogar eine geradezu schicksalhafte Wirkung. Das Titelbild der Einladung zeigt nämlich wartende Leute unter Regenschirmen vor einem Eingangstor und traf so genau die Situation an der Vernissage. Bei strömendem Rege, aber trotzdem guter Laune und erwartungsvoll harrte das Publikum der Dinge, die da kommen sollten - und wurden nicht enttäuscht.
Gehaltvolle Vernissage
Unterstützt von der ganzen Familie kümmerte sich Bruno Weber um seine Gäste. Er suchte den Kontakt mit den Besuchern und darin liegt wohl ein Teil seines künstlerischen Erfolges. Seine Kunst wirkt nicht «abgehoben», sondern visualisiert Eindrücke, Erfahrungen und Gedankenbilder. Er bedient sich dazu allerdings verschlüsselten Sprache, in die man sich hineinversetzen muss. Ihm gelingt somit - scheinbar mühelos - der Spagat zwischen Anspruch und Verständnis, Empfindung und Umsetzung, Abstraktion und Realität.
Sehr anschaulich und fassbar wusste Marlies Liebi in ihrer Vernissagerede diesen Prozess darzustellen. «Ein echtes Bild lässt aufleuchten, was durch es hindurchscheinen will, und vor einem echten Bild bleiben wir am Ende als Betroffene stehen», zitierte sie eingangs ihrer Würdigung. Es seien nicht einfach Landschaftsbilder, die das Geschehene wiederspiegeln. Wenn man sich Zeit nehme (was sie selber offensichtlich getan hat), erkenne man beim Betrachten eine tiefere Schicht, erklärte Marlies Liebi.
In vielen Bildern entdecke man versteckte Figuren, zum Beispiel Tierbilder. Diese stehen stets für ein Symbol, worin sich wiederum ein Gedankengang verberge. Was sie indessen am meisten fasziniere, sei das Spiel mit dem Licht in den Bildern Bruno Webers. Sie sehe darin das Sinnbild für Hoffnung, Zuversicht und Glauben. Dieses Licht weise den Weg zum Vertrauen in die Zukunft. Darin liege die zentrale Botschaft des Künstlers. Er verdränge Unheil und Bedrohung in seinen Bildern nicht, aber das Prinzip des Lichts, der Hoffnung und Zuversicht dominiere, schloss Marlies Liebi. Umrahmt war die Vernissage von Vorträgen eines neunstimmigen Adhoc-Chores. Passenderweise war darunter auch das Lied von der Forelle, die sich so wohl fühlt im Nass.
Berührung durch die Kraft der Aussage
Ein Rundgang durch die Ausstellung mit 60 Werken bestätigte es einmal mehr, dass Kunstschaffen stets die Lebenserfahrung spiegelt und die Summe des Erlebten und wohl auch Erlittenen ist. Bruno Weber (1954) wuchs auf einem Bauernhof in Rothrist auf. Unverkennbar stammen viele seiner Motive aus diesem Umfeld. Nach dem Abschluss des Lehrerseminars unterrichtete er während fünf Jahren an der Primar- und Realschule Strengelbach. Anschliessend folgte eine Ausbildung zum Werklehrer an der Schule für Gestaltung in Zürich. Dazwischen befasste er sich mit der Puppentherapie und stieg dabei in die Geheimnisse der Märchenwelt ein. Auch diese wird in zahlreichen seiner Bilder künstlerisch ausgedeutet.
Seit 20 Jahren unterrichtet er an der HPL Zofingen in der Fachdidaktik Werken. In dieser Tätigkeit fand er über den Umweg des Scherenschnittes den Zugang zum Papierschnitt. Schon vorher äusserte sich allerdings seine künstlerische Begabung in der Aquarelltechnik, der er bis heute treu geblieben ist. Diese Werke halten sich weitgehend an das Objekt, bereichern es allerdings durch eine subtile Farbgebung, in der Grünschattierungen neben komplementären Rottönen vorherrschen. Eine Verwandtschaft zu den Papierschnitten ist erkennbar durch die Akzentuierung mit dunklen Schattenstreifen. Ganz im Kontrastspiel von Hell und Dunkel entfalten sich die Papierschnitte. Der Künstler arbeitet dabei nach einem gezeichneten Entwurf, worin der Abtausch zwischen Schwarz und Weiss und die Komposition in den Grundzügen erhalten sind. Der Entstehungsprozess beginnt dann mit einem gefalteten Bogen schwarzen Kartons, aus dem das Bildmotiv mit dem Cutter herausgeschnitten wird. Fast ausnahmslos sind Teile der Papierschnitte symmetrisch aufgebaut, allerdings in einem stark wechselnden Verhältnis. Am geöffneten Bogen werden dann noch die asymmetrischen Elemente des Bildes herausgeschnitten. Diesem Verfahren verdanken die Papierschnitte ihre unwiderstehlich Anziehungskraft: Die Symmetrie verschafft ihnen Ruhe und Harmonie als Konstanz, die frei gestalteten Elemente geben ihnen Inhalt und Ausdruck durch die Verdichtung der Botschaft, die das Bild kommunizieren will. Bruno Weber versteht das Spiel wechselnden Lichtes und bewegter Schatten meisterhaft. Einige seiner Werke leben von reichen ornamentalen Strukturen, in denen Figürliches zum Nachdenken und Interpretieren anregt. Andere erzählen in der Bildsprache (Henne und Adler) Fabeln und Märchen. Allen gemeinsam ist ihre graphische Schönheit, der Gehalt an symbolhaltigen Andeutungen und die Abstraktion auf das Elementare zur Verdeutlichung der Aussage. Manche dieser Bilder wird man nicht mehr los, sie ergreifen Besitz und entführen in eine Welt, in der man sich trotz der (nicht verdrängten Konflikte) wohl fühlt.
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