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Zofinger Tagblatt, 9.September 1996
Landschaften, Papier- und Metallschnitte
Vielbeachtete Vernissage von Bruno Weber im Gasthof «Löwen»,
Glashütten
 bhä.Dass
der Prophet im eigenen Lande nichts gelte, wurde mit dem Grossaufmarsch
an der Vernissage des in Rothrist geborenen, im Murgenthal lebenden Bruno
Weber Lügen gestraft. Die in Stall und Scheune des Restaurants Löwen,
Glashütten, bis zum 22. September ausgestellten Werke dieses Künstlers
weckten grosses Interesse bei Kunstfreunden aus der Wohngemeinde und aus
der näheren und weiteren Region. Dies nicht zuletzt, da der Künstler in
der Jury zur Bewertung des schweizerischen Scherenschnitt-schaffens engagiert
ist.
Ausserdem gesellten sich zu der Augenweide Gaumenfreuden
des «Löwen» -Wirteehepaars Marianne und Christian Steffen.
Weitere lokale Akzente setzten der aus Murgenthal gebürtige, in Vordemwald
als Lehrer tätige, mit dem Künstler befreundete Martin Zimmerli mit der
Einführung in das Werk von Bruno Weber sowie der Murgenthaler Chor «Samuels
frohe Runde» unter der Leitung von Peter Glogner mit einem bunten
Strauss von Volksliedern.
Murgenthal im Bild
Bruno Weber ist ein naturalistischer Erzähler, der aber nicht fotografisch
kopiert, sondern mit lockerer, gefühlvoller Pinselsprache informiert.
Die persönlichen Stimmungen des Künstlers verraten sich in der unterschiedlichen
Farbpalette, in der mal das Grün oder Violett dominieren. Fast auf allen
Bildern und in allen Techniken sind es aber klare, lebendige Farben, mit
denen Bruno Weber die stillen und lieblichen Gebiete seiner grossen Wohngemeinde
auslotet. Häuser kuscheln sich an den Waldrand, Wolken branden vom Jura
zurück, Waldwege erzählen von Poesie und Stille, wobei der Künstler -
stets vor Ort malend - alle vier Jahreszeiten mit ihren eigenwilligen
Licht und Schatten einfängt.
Ausser seinen Acryl- und Aquarellbildern gehören
selbstverständlich auch Papierschnitte zum Oeuvre der Ausstellung. Wie
auf den gemalten Bildern zeigt Weber auch in dieser Technik die sichere
Aufteilung vom Bildgrund und ein gekonntes Spiel vom Licht und mit Kontrasten.
Erinnert sei an die stille Aussage «Winterspaziergang», bei
dem der Schnee geradezu blendet.
Neue Techniken
Erstmals zeigt Bruno Weber Tonplatten mit dem Papierschnitt als Bildbasis.
Auch hier sind es nicht filigrane Schnörkel, sondern eine schlichte, klare
Sprache, die Landschaftssujets und Figürliches auf wetterfesten Tonplatten
festhält. Ebenfalls als künstlerischer Schmuck für draussen gedacht, sind
die erstmals gezeigten Metallschnitte. Dank der Zusammenarbeit mit dem
Metalltechniker Jürg Senn, einem speziellen Computerprogramm und Laserschneidetechnik
gelang es dem experimentierfreudigen Künstler, einen Papierschnitt, vergrössert,
aus einem zwei Millimeter dicken Chromstahlblech zu schneiden. Die beiden
ausgestellten Metallschnitte aus schwarzem, wetterfesten Chromstahl begeistern
durch die Transparenz, wobei der Schnittfuss durch zusätzliche Ornamente
und durch die Signatur Akzente erhält. In allen Techniken verrät Bruno
Weber Ausgewogenheit und Freude am Spiel mit Gestaltungselementen. Seine
Aussagen sind kein süsser Heimatstil, sondern lebendig Geschautes, souverän
in Farbe und Form umgesetzt. Nicht mit dem Pinsel wohl aber mit einer
gut geführten Kochkelle lernten die vielen Vernissagegäste den Löwenwirt
Christian Steffen, assistiert von seiner Frau Marianne und dem Löwenteam,
beim Apéro und Nachtessen kennen. Vom Rand des Brunnentroges begrüsste
der Löwenwirt seine vielen Gäste und verdankte die Tranksame der Sponsoren.
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