|
Allgemeiner Anzeiger, 19.August 1992
Kunst in der Zofinger «Gartenlaube» mit Bruno Weber, Glashütten
Poesievoll verwobenes Licht- und Schatenspiel
 Poesivoll
verwobenes Licht-und Schattenspiel Bereits zum dritten Mal gibt der in
Glashütten wohnende Werklehrer Bruno Weber in Zofingens Sommergalerie
bis zum 30.August einen Einblick in sein Kunstschaffen. Sowohl seine Papierschnitte
wie seine Aquarelle basieren auf dem bildnerischen Spiel mit Licht- und
Schatten. Einem faszinierenden Wechselspiel, das in den Papierschnitten
das real Erschaute ins Gemütvoll-Poetische überhöht.
mdr.- Bruno Weber liess sich als Primarlehrer an der Zürcher Kunstgewerbeschule
zum Werklehrer ausbilden und unterrichtet heute an der HPL in Zofingen
im Fach Werken und organisiert Kurse in der Lehrerinnenfortbildung des
Kantons Aargau. Das Schwergewicht seines freien künstlerischen Schaffens
liegt auf dem Papierschnitt. In ihm hat er seine überzeugende persönliche
Bildsprache gefunden: Eine Ausdrucksform, die nicht nur auf seinem stupenden
rein technischen Können beruht, sondern ihm auch die Möglichkeit gibt
im so spannungsvollen Hell-Dunkel-Wechselspiel Reales ins Poesievoll-Verklärte
umzusetzen.
Mit dem feinen Messerchen wird Skizzenhaft-Vorgedachtes
so aus dem schwarzen Papier geschnitten, dass dieses zum Träger sowohl
von flächig angelegten wie in feinste dekorative Verästelungen ausmündenden
Bildpartien wird. Nie bleibt es indessen sowohl bei Mensch und Tier wie
bei Architektur und Landschaft nur bei der Reduktion auf die Grundformen.
Sie alle sind persönliche Empfindungsträger die das blosse Abbild hinter
sich lassen und den Alltag wie den Festtag zu verzaubern vermögen. So
erscheint in seiner formalen Verdichtung der aus dem gefalzten Papierbogen
geschnittene festliche Bundesfeierabend, wie er in den Dörfern noch begangen
wird. Oder dann ist es im Jahreszeitenzyklus und gewissermassen als Sinnbild
des Friedens und der Geborgenheit, eine vom Schäfer behütete weidende
Schafherde. Unter dem winterlichen Vollmond schläft ein Bauerndorf und
die natürliche Anmut des Kreatürlichen strahlt die auf der Raumtiefe schaffenden
Decke in ihre «Toilette» versunkene Hauskatze aus. Auch die
Luftblasen, die das «Seifenblasenmädchen» seinem Blasröhrchen
entlässt, werden zu bunt gemusterten flächigen dichten und minuziös herausgearbeiteten
Dekorelementen.
Dem Stillen und Schönen offen
Schon vom rein Technischen ist wohl kein grösserer Gegensatz zwischen
dieser Schwarz-Weiss-Kunst und dem weitgehend von der Farbe bestimmten
Aquarell auszumachen. Auch hier, in seiner unmittelbaren Umwelt, spürt
Bruno Weber in seinen Landschaftsimpressionen dem Wechsel von Licht und
Schatten nach. In von kleinen Bächen durchzogenen Waldpartien sowohl wie
in den weit ausschwingenden Hügellandschaften um Glashütten, Riken, Vordemwald
und Balzenwil, das er auch im winterlichen Rauhreif als Motiv entdeckt.
In zugriffiger Pinselschrift erscheinen die wenigen Blätter, die um das
sommerliche Strandleben und die Landschaft um den Gardasee kreisen. Das
Stille und Beschauliche, wie es auch den in Grünklängen präsenten «Schattenplatz»
dominiert, entspricht indessen eher dem Charakter des Künstlers, der ja
vor allem in den Papierschnitten dem Augenblick eine ihn überdauernde
faszinierende Strahlungskraft verleiht.
|