Papierschnitte
Der Weg zum Papierschnitt - Weber schneidet seine Arbeiten mit einem feinen Messer in schwarzes, reissfestes Papier - führt bei ihm über die Zeichnung und das Aquarell. Sie sind seine schon in jungen Jahren erworbene und seither perfektionierte Bildsprache, die er im Papierschnitt sehr eigenständig umsetzt. 1976 entsteht der erste Papierschnitt; die Faszination Papierschneiden hält bis heute an. Bruno Weber ist einer der wenigen Papierschnittkünstler, die nicht von der Tradition im Scherenschnitt herkommen. Er stellt malend Erlebnisse in der Landschaft, mit Bäumen, an Bachläufen, mit Schafen, an einer Weggabelung dar, in denen der Mensch, sichtbar oder unsichtbar, miteinbezogen ist. Ohne realitätsfremd zu sein, sucht er nach dem Positiven im Leben. Das hat bei ihm auch mit Heimatgefühl und Weltoffenheit ganz allgemein zu tun, wohl auch mit der Verantwortung gegenüber der jungen Generation. Die selben Themen finden im Papierschnitt Eingang, der indessen für ihn eine völlig andere Herausforderung ist. Mit wenigen Ausnahmen sind es sinnbildliche Umsetzungen, die mit dem geistigen Weg Webers einhergehen. Im Papierschnitt ist die zeichnerische Vorarbeit in Form von Skizzen unentbehrlich. Dann versucht er seine Bildvorstellung beim Schneiden diszipliniert und auf das Wesentliche zielend auszudrücken. Er abstrahiert, setzt die strengen flächigen Strukturen mit sicherer Hand, kommt dabei in die Nähe der besten Holzschneider. Die «Bildsprache», die symbolische Aussage hinter dem Augenfälligen, ist für Bruno Weber einwichtiges Anliegen. Was ihm im Licht - Schatten - Spiel gelingt ist aussergewöhnlich. Die Raumwirkung und die Lichtführung - das Licht ist ein wichtiges Sinnbild in seinem Werk - verblüffen den Betrachter: Er wird durch die Hell - Dunkel - Flächen zu einem Bilderlebnis geführt, das den Symbolgehalt aufs Schönste offenbart. Die Symeterie in Webers zumeist gefalteten Papierschnitten ist nicht wegzudenken, selbst wenn sie nicht nur von der Mittelachse ausgeht, sondern in einem Teilbereich oder sternförmig angelegt ist. Immer ist sie Ausdruck der Harmonie, unterstreicht das Ausgewogene, gehört zur Ästhetik. Bruno Weber ist der Maler unter den Papierschneidern, der neben hohem technischen Können und Vorstellungsvermögen die Poesie nie zu kurz kommen lässt; sie ist Teil seiner Lebensbejahung.
(Text Alfred Schneider)
Aus dem Katalog zur Ausstellung der Bernischen Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung, im Freilichtmuseum Ballenberg 25.7.–31.10.1998
Vom Geist belebtes Wasser
Dieses Bild möchte einen Kreislauf des Lebens auf dem Weg zur Vollkommenheit aufzeigen.
Die erlöste Weltseele als Archetypus der mystischen Hochzeit.
In der alchemistischen Denkweise wird der weibliche Teil, welcher in den meisten Religionen vernachlässigt wird gestärkt. So stellt die Weltseele dem christlich-männlichen Prinzip ein weiblich-göttliches Prinzip ebenbürtig zur Seite.
Mit dem Widerspruch in der Gleichwertigkeit des Männlichen und des Weiblichen wird eine Rotation in Gang gesetzt, aus der das so genannte „Dritte“ entspringen kann. Es ist dieses
Unfassbare, Unbeschreibliche, welches die Welt erlösen könnte.
So finden wir in diesem Schnitt viele Gegensätze, die sich zusammen wieder ergänzen:
Senkrecht und waagrecht, männlich und weiblich, miteinander und allein, werden und
vergehen, oben und unten, Licht und Schatten, stehen bleiben und vorwärts gehen,
usw.
Das himmlische Wasser wird vom Geist belebt.
Die senkrechten Linien werden in der Waagrechte durch das Licht des Kreises im Wasser aufgelöst und spiegeln das ganze Universum zurück.
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