Zofinger Tagblatt, 3. September 2001

Papierschnitt mit Eigenleben

Ausstellungen_2001_Ruederta.gifSchmiedrued Der Künstler Bruno Weber stellt im Weberei- und Heimatmuseum aus

Im Weberei- und Heimatmuseum in Schmiedrued ist zurzeit der in Glashütten lebende Künstler Bruno Weber zu Gast. Ausgestellt hat er seine fantastischen Papierschnitte, aber auch Aquarelle und Metallschnitte. Am Freitagabend fand die Vernissage statt.

Sie bedürfen Geduld, viel Geduld, die Papierschnitte von Bruno Weber aus Glashütten. Wenn man sich Zeit lässt, sie zu betrachten, vermitteln sie ganze Geschichten mit viel Dynamik, sowie Symbolik. Die Bilder haben Tiefenwirkung, auch wenn sie in Schwarz-Weiss gehalten sind. Eigentlich sind sie symmetrisch, aber dann doch wieder nicht.

Das kommt davon, dass Bruno Weber sein Bild zwar in gefaltetes Papier schneidet, es dann jedoch auseinander faltet und ihm jene Eigentümlichkeiten und Eigenwilligkeiten verleiht, die es von herkömmlichen Scherenschnitten abhebt. Tiere, Schafe, immer wieder Schafe, Menschen, Häuser sind seine Motive, am liebsten „gleich die nebenan“. Seine Landschaften erscheinen auf subtile, stille Art und sind trotzdem voller Leben.

Der Schlossrueder Lehrer Peter K. Weber hielt die Vernissagenrede- aus drei Gründen: In Zofingen besuchten die beiden gemeinsam das Seminar, nicht die gleiche Klasse, aber in gegenüberliegenden Klassenzimmern. Bruno musste den Werkunterricht damals den Primarlehrern schmackhaft machen, und nur dank ihm wurde dieser dann auch zur Selbstverständlichkeit. Und schliesslich besuchte Peter K. Weber einmal eine Ausstellung in der Zofinger Gartenlaube und war sofort begeistert und verzaubert von den Bildern.

Bruno Agnoli umrahmte die Vernissage auf der klassischen Gitarre. Die Werke, die er darbrachte, waren exakt auf diesen Anlass zugeschnitten. Auf ebenso transparente Art, wie die Bilder daherkommen, spielte er auf seiner Gitarre, wobei ihn drei Werke Webers zudrei Kompositionen inspirierten: „Zebra“, „Wasserfrau“ und „In der Frühlingssonne“. Mäuschenstill war es im obersten Stock des Museums, als Bruno Agnoli zu seinem besinnlichen Spiel anhob.

Zum Werklehrer ausgebildet

Der 1954 in Rothrist geborene Bruno Weber unterrichtete nach dem Lehrerseminar während einiger Jahren in Strengelbach. Anschliessend bildete er sich an der Schule für Gestaltung in Zürich zum Werklehrer aus. Seit 1980 unterrichtet er an der Höheren Pädagogischen Lehranstalt in Zofingen Fachdidaktik Werken im Teilpensum. Dies ermöglicht es ihm, in der Freizeit zu zeichnen und zu malen. Neben der Arbeit mit Papierschnitt beschäftigt er sich mit Aquarell- und Acrylmalerei.

Aufs Wesentliche beschränkt

In den Aquarellen von Bruno Weber- es hängen ebenfalls ein paar davon im Weberei- und Heimmuseum- versucht er die jeweiligen Stimmungen in ihrer Perfektion festzuhalten, was dem Gefühlsmensch ausgezeichnet gelingt, Die Bilder sind zwar stimmungsmässig detailgenau und deshalb höchst aussagekräftig.

Im Gegensatz zu den Papierschnitten beschränkt er sich hier aufs Wesentliche.

Eine weitere Facette seines künstlerischen Werkes kommt im Museum zusätzlich zum Ausdruck, nämlich der Metallschnitt. Diese Platten, die sich in jeder gewünschten Grösse herstellen lassen, eignen sich zum Beispiel als Aussenwandschmuck. Bruno Weber nimmt dafür einen Papierschnitt, scannt ihn ein und bearbeitet ihn am Computer. Damit fährt er in eine metallverarbeitende Firma und lässt den ursprünglichen Papierschnitt durch Laserstrahl auf Metallplatten bannen. Ein paar Zentimeter von der Wand weg montiert, ergibt sich ein aussergewöhnliches Lichtspiel. (st)